Eine Rezension des Ahnenprogramms Family Tree Maker 2005 - Familienstammbaum
10. März 2005. Ich habe für DIS-Danmarks Mitgliedsblatt "Slægt og Data" - eine Rezension des Ahnenprogramms Family Tree Maker geschrieben. Es war in der Märzausgabe Nr. 1/2005 zu lesen.
Einleitung
Ahnenforschung füllt seit ein paar Jahren zunehmend meine Freizeit aus. Ich begann im Dezember 2002 mit einem Brief an "alle" Personen im Telefonbuch, die denselben Familiennamen wie ich hatten. Das war schnell erledigt. Aber da ich nicht untätig bleiben wollte, ist die Menge an Informationen schnell gewachsen. Die Zeit war gekommen, ein Programm zu wählen, womit man die Daten speichern konnte.
Vermitteln
Ich fing mit Win Family an ohne große vorhergehende Überlegungen, wechselte aber bald zu Brothers Keeper, weil ich nicht zufrieden war mit dem verhältnismäßig kleinen Fenster, worin man Text eingibt, und weil es so schien, als gäbe es nicht viel Zukunft für Win Family. Eine Zeitlang arbeitete ich gern mit Brothers Keeper, aber dann entstand die Idee, aus Anlass des siebzigsten Geburtstags meiner Mutter ein "richtiges" Ahnenbuch zu schreiben und auch sonst meine Ergebnisse mitzuteilen. Es scheint gut, Unmengen von Informationen zu sammeln, aber die Botschaft und die Ergebnisse wollen an den Mann gebracht werden.
Für meine Person besteht ein großer Teil der Ahnenforschung genau in der Freude am Vermitteln und die Ergebnisse mit anderen zu teilen - sowohl übers Internet als auch durch verschiedene Formen von Abschriften. Mit Ergebnissen meine ich nicht ausschließlich Daten und Ereignisse, sondern auch die ganze Geschichte über das Leben meiner Ahnen und deren Familie, wie sie es lebten. Es ist die Geschichte über das tägliche Tun und Treiben, das normale Leben und den Lebenslauf, die mich interessiert. Meine Forschung ist von dem Gedanken getragen, dass, wenn nicht ich die Geschichte des ganz normalen Tun und Treibens meiner Groß- und Urgroßeltern auflese und vermittle, es dann wohl kein anderer tut. Ich fing deswegen an, nach dem "optimalen Programm" zu suchen, das dies unterstützen könnte. Mein Programm sollte nicht weiterhin "nur" die Informationen speichern können, sondern auch die Geschichte vermitteln.
Systematische Analyse
Diesmal bin ich systematisch vorgegangen und habe eine Spezifikation mit Anforderungen erstellt. Das Programm sollte folgendes können:
- Ahnenbücher drucken und Berichte aller Art ausgeben mit der vollen Kontrolle über das Layout,
- alle Worte, Ereignisse, Zahlen und Zeichen suchen können,
- Rechtschreibkontrolle haben,
- viel "Geschichte" aufnehmen können,
- Daten zu einer Homepage gestalten,
- 6. GEDCOM-Dateien ausgeben, da ich sie an www.lklundin.dk schicken möchte (Datenvergleich und Kontrolle auf Ahnenebene, ob z.B. der Ehepartner falsch ist), und
- letztendlich sollte es ein ansprechendes Fensterdesign haben, viele Tastaturkürzel, und es sollte meine Sprache sprechen.
Die Wahl fiel im Frühjahr 2004 auf Family Tree Maker / Familienstammbaum (im folgenden FTM abgekürzt), das alle obengenannten Forderungen erfüllt hat. Die Datenmigration der nackten Fakten erfolgte problemlos (mit ordentlicher Hilfe vom dänischen Vertrieb), aber trotzdem war noch viel "Handarbeit" zu erledigen. Das kam daher, dass alle meine Texte (Kirchenbucheintragungen) der Quellenfelder in Brothers Keeper plötzlich in den "Notizen" von FTM platziert waren. Das hat viel Zeit gekostet, und ich räume ein, dass ich ab und zu im Prozess überlegte, ob der Wechsel von Brothers Keeper zu FTM wirklich so wichtig war. Ich fühlte mich in meiner Forschung zurückgeworfen, wurde aber vom Gedanken getrieben, die Geschichte erzählen zu wollen und ein Buch zu schreiben, das doch professionell erscheinen sollte; deswegen fuhr ich fort.
Die Belohnung.
FTM 2005 wurde im Herbst 2004 freigegeben. Diese Version musste ich natürlich haben - und da bekam ich wirklich die Belohnung für meine Vorarbeit. Hier war die Antwort auf alle meine Bitten: Überblick und Einzelheiten auf einmal, lecker eingepackt mit allem, was man von Windows kennt (z.B. auf eine Überschrift klicken und die Daten in der Spalte werden sortiert), viele Tastaturkürzel, ein Menü mit Vor und Zurück, wie man es gewöhnt ist vom Internetbrowser, so einfach zu verwenden, das man schon nach einer Viertelstunde loslegen kann. FTM 2005 hat viel mehr Möglichkeiten, als dass man sie hier alle besprechen könnte, d.h. das Folgende ist nur eine Geschmacksprobe von dem, was man für 56 Euro bekommt. Ich denke, ich habe richtig viel für mein Geld bekommen. Das Entscheidende ist in Wirklichkeit, dass der Anwender eine Reihe von Möglichkeiten geboten bekommt, die auf eine überschauliche und intuitive Weise systematisiert sind. Danach kann man einfach anfangen, sie nach dem eigenen Bedarf zu nutzen.
Bild 1 zeigt die Menüzeile, wie ich sie gestaltet habe, aber das ist individuell verschieden. Man kann selbst Symbole in der Symbolleiste hinzufügen oder löschen, je nach Bedarf.
Bild 1
Bild 2 zeigt eine Hälfte meiner Familie mit mir selbst als Kind unten und meinen Vater und seine Daten darüber. Die Daten meiner Mutter stehen rechts (es gab aber nicht genug Platz für sie hier). Es werden damit drei Generationen auf einem Schirm gezeigt.
Bild 2
Bild 3 zeigt eine andere der unzähligen Darstellungsmöglichkeiten. Es sind die gleichen Informationen, nur ist hier die Darstellung "Ahnentafel - Standard" ausgewählt. Hier bekommt man zunächst einen grafischen Überblick darüber, wie weit man gekommen ist. In der linken Spalte oben gelangt man zum Bearbeiten der Daten der als Ausgangspunkt für die Stammtafel gewählten Person. Darunter erscheint eine Liste der Personen mit dem gleichen Familiennamen wie die gewählte Person. In Wirklichkeit werden alle Personen ab der ausgewählten angezeigt. Hier kann man eigene Filter setzen, wo die Auswahlmöglichkeiten die gleichen sind, wie in "Eigene Liste".
In dieser Darstellung kann man als Ausgangspunkt die Person durch seinen Gatten, Kinder, Eltern oder Geschwister ersetzen, durch Lesezeichen oder eine Person aus der Bearbeitungshistorie; Bearbeitungshistorie hier zu verstehen als die letzten 30 Personen, deren Daten bearbeitet worden sind. Wer kennt nicht die Situation, wo man beim Durchschauen eines Kirchenbuchs Informationen über ganz andere Personen findet als die Person, nach der man eigentlich suchte. Hier ist die Bearbeitungshistorie gut - nach wem hat man eigentlich gesucht. Das steht in der Bearbeitungshistorie.
Bild 3
Quellen
Kurz gesagt besteht Ahnenforschung darin, eine Menge einzelner Informationen aus Quellen zu einem Gesamtbild einer Person und ihres Lebens zusammenzufügen. FTM 2005 bietet richtig gute Möglichkeiten, um die Quellen unter Kontrolle zu halten; verwendet man die Quellenfelder, wie sie gemeint sind, werden die Informationen z. B. aus den Kirchenbüchern als Anmerkungen am Schluss eines Ahnenbuches platziert. Auf diese Weise wird die Geschichte, welche man im Feld "Notizen" einträgt, von der Dokumentation getrennt. Möchte man (wider Erwarten) die Informationen, die man mühevoll entziffert hat, nicht aufgelistet haben, entfernt man schlicht den Haken im Feld "Zitattexte in Fußnoten einfügen".
Figur 4
Fakt
Man kann hier sozusagen Fakten schaffen. Diese sind als Namen der Spalteninhalte zu verstehen, die man mit einem anderen "Etikett" oder einer Spaltenüberschrift versehen kann. Sie können mit einem Klick auf Spaltenüberschrift sortiert werden, die in Bild 5 "Navn", "Dato" und "Sted eller beskrivelse" (Namen, Datum, Ort oder Beschreibung) heißen. Ich selbst ziehe es vor, nach Datum zu sortieren, damit ich in "Person ändern" einen chronologischen Verlauf bekomme und damit einen guten Überblick. Korrigiert man einen "Fakt", wird man gefragt, ob nur hier oder überall diese Überschrift ersetzt werden soll.
Figur 5
Listen und Suchen
Ein starkes Leistungsmerkmal sind die zahlreichen Möglichkeiten, Listen zu erzeugen. Mitgeliefert mit FTM werden eine Menge Standardlisten, aber es ist vielleicht noch interessanter, dass man eigene Listen erstellen kann. Man bestimmt zunächst, welche Informationen aus allen "Fakten" [wie oben definiert] enthalten sein sollen. In Bild 5 würde ich damit eine Liste von allen Personen erstellen können, von denen es Informationen zur Einwanderung und Einbürgerung gibt.
Der nächste Schritt ist zu bestimmen, welche Personen in der Liste erscheinen sollen, alle in der Datenbank oder nur ausgewählte? Falls es nur ausgewählte sein sollen, könnten es beispielweise Vorväter oder Nachkommen einer Person sein. Man klickt auf ein Symbol und FTM macht den Rest. In Verbindung mit der Datenmigration von Brothers Keeper verwendete ich viel eigene Listen, weil es eine richtig gute Möglichkeit war, einen Überblick quer über alle Personen der Datenbank zu bekommen.
Es würde zu weit führen, alle Möglichkeiten der Einschränkung oder Ausweitung des ausgewählten Personenkreises durchzugehen, aber eine Möglichkeit verdient besondere Erwähnung und das ist "Egal welches Textfeld" [(Übersetzung)]. Hier kann man auf strukturierte Weise nach allem möglichen suchen. Von Brothers Keeper hatte ich den Text verwendet "Zeuge zu Nr. xxx geboren Datum". Dies ist aber inzwischen wertlos, weil sich alle Referenznummern durch die Datenmigration geändert haben. Um alle diese Texte - jetzt bedeutungslos - loszuwerden, suchte ich nach der Zeichenkette "Zeuge zu" und bekam eine Liste der Personen mit diesem Text.
Ahnenbücher
Im Menü Bücher werden eine Reihe vordefinierter Abschnitte [des Buches] in der linken Spalte des Bildschirms gezeigt. Diese sind:
- Ahnentafel (drei Varianten),
- Nachkommentafel (zwei Varianten),
- Sanduhrtafel (zwei Varianten),
- Verwandtschaftsliste (die eigentliche Ahnentafel in Buchform),
- Übersicht Nachkommenliste,
- Familienblatt,
- Genealogiebericht (drei Möglichkeiten: zwei Varianten für Nachkommen und ein für Vorfahren), und
- Zeitstrahl (Timeline), in dem eigene Vorfahren historischen Ereignissen, wie z. B. Kaiser und Königen, gegenübergestellt werden.
Ein Buch wird erstellt, indem man die gewünschten Abschnitte von der linken Spalte auf die rechte Seite schiebt und auf das Symbol "Zeige Buch" klickt. Und Bingo, das Buch ist fertig und wird auf dem Schirm als PDF-Datei angezeigt. Arbeitet man weiter mit den Personen, die zum Buch dazugehören, wird automatisch upgedatet. Man hat die volle Kontrolle über die einzelnen Abschnitte und deren Formatierung. Auch hier gibt es zahllose Möglichkeiten. Das Positive ist, dass die Technik selbst so leicht und schnell für den Anwender zu erlernen ist, dass die Zeit nicht mit Technik vertrödelt wird, sondern mit Forschen, obwohl es natürlich eine Versuchung ist, mit Schriftsätzen und Schriftgrößen zu spielen und allem anderen, was man selber verändern kann.
Keine "toten Links"
FTM verwendet die OLE-Technologie (Object Linking and Embedding). Das heißt, dass andere Dokumente in der Familien-Datei abgelegt werden im Gegensatz dazu, dass ein Betriebssystem-Link zum Originaldokument erzeugt wird, so wie Legacy das macht. Es wird eine Gesamtkopie des Dokuments in FTM abgelegt und nicht ein Verweis auf eine Datei. Man ist also nicht abhängig davon, dass Dateien da bleiben, wo sie sind und nicht gelöscht oder verlegt werden. Eine gelöschte Datei wäre sonst ein "totes Link".
Wenn man z. B. ein Word-Dokument hat, das man in der jetzigen Form verwenden und erhalten möchte, trägt man es im Scrapbook [(engliche Bezeichnung)] einer Person ein. Word wird dann automatisch gestartet, wenn man das Scrapbook öffnet. Dies hat den großen praktischen Vorteil, dass man die Platte jederzeit umorganisieren kann, ohne darüber nachzudenken, was mit der Familien-Datei in FTM passiert. Sie bleibt, wie sie war. Es bedeutet auch, dass man nicht (vielleicht) kostbaren Platz auf der Platte verwenden muss, um Bilder zu speichern. Sie sind ja schon im FTM gespeichert - man kann sie damit eventuell nach einem Backup auf CD-ROM von der Platte löschen. Letztendlich ist das Scrapbook geeignet für Informationen, die man nicht unbedingt auf der Homepage haben möchte. Diese Informationen werden nur im Scrapbook platziert und man entfernt den Haken bei "Anzeigen auf Homepage" [(Übersetzung)].
Im Scrapbook können fast alle Dateitypen abgelegt werden: Text, Bilder, Ton, Powerpoint Slides u. v. m. Ich selbst habe nur Word-Dateien und natürlich Bilder benutzt. Es gibt übrigens ein lustiges, kleines Zusatzmerkmal: "Scrapbook abspielen". Dabei werden alle Bilder, die im Scrapbook gesammelt wurden, wie in einer Diashow gezeigt.
Raus ins Internet
Mit dem Programm erhält man bei genealogy.com eine Homepage mit 22 MB. Das Einrichten und Updaten der Homepage wird unter dem Menüpunkt "Internet" bewerkstelligt und ihre Veröffentlichung ist nur ein paar Mausklicks entfernt. Auf dem Weg dahin erhält man die Möglichkeit, Informationen über lebende Personen wegzulassen, und man kann wählen, ob Bilder dabei sein sollen. Falls man schon eine Homepage bei einem hiesigen Hosting-Anbieter hat, ist der leichteste Weg ein Link auf die Seite bei genealogy.com zu setzen. Es läßt sich die gesamte Familien-Datei uploaden, wie z. B. Bücher und Listen.
Des weiteren gibt es ein Anwenderforum auf Deutsch und English, wo man Fragen stellen und Antworten von anderen Anwendern bekommen kann.
Das Programm bietet eine Reihe von Möglichkeiten, direkt ins Internet zu gehen, um nach Informationen zu suchen und die Ergenisse direkt in die Familien-Datei einzutragen. Ich bin zu altmodisch und vorsichtig, um dies auszuprobieren.
Backup
Ich bin kaum der einzige in unseren Kreisen, der Albträume beim Gedanken bekommen kann, dass die Daten eines Tages weg sind, oder dass ich sie auf der Platte nicht mehr erreichen kann. Nur sehr richtige Männer machen keinen Backup. FTM 2005 hat im Datei-Menü eine Backup-Funktion eingefügt, die sehr gut funktioniert. Man brennt direkt auf einem internen oder externen Brenner. Ich selbst habe einen externen Brenner, Typ Plextor, und habe nie Probleme gehabt mit der Verbindung von FTM zum Brenner.
Was noch erwähnenswert ist:
- Kinder können leicht in der richtigen Reihenfolge nach Alter sortiert werden. Hat man dies trotzdem vergessen, ist das ein Thema, das in der Liste "Datenfehler" erscheint.
- Die Hilfstexte zu "Verwandtschaft korrigieren" sind im Vergleich zu FTM 11 wesentlich verbessert worden. Es ist wohl immer mit einem unguten Gefühl verbunden, wenn man Kinder von einem Paar Eltern auf ein anderes verpflanzt oder Ehepartner trennt. Die Hilfstexte sind jetzt so ausgeweitet, dass es keinen Zweifel gibt, wo man im Prozess steckt.
- GED-Dateien. Ich habe meine Datei einmal nach Lundin geschickt, nachdem ich zu FTM gewechselt war. Es ist ganz reibungslos verlaufen.
Was fehlt?
Nicht mal bei FTM 2005 wachsen die Bäume in den Himmel. Mir fehlt folgendes:
- Die Möglichkeit, ein Verzeichnis der Orte als ein Teil der Informationen auf der Homepage zu erstellen (Win Family konnte das).
- Markieren zu können bei Peter Meier, dass Helga Schmidt seine Patin war, und dass dann bei Helga automatisch erscheinen soll, dass sie bei Peters Taufe dabei war (Brothers Keeper konnte das).
- Eine grafische Darstellung der Beziehung zwischen zwei Personen. Die Information kann erstellt, aber nicht grafisch angezeigt werden.
- Dass der Upload auf genealogy.com in der Sektion My Family History nicht auf 2.000 Personen begrenzt wäre. Wenn man die 2.000 Personen überschreitet, muss man Listen uploaden, da sie nicht interaktiv sind.
Die Wahl eines Programms wird immer Geschmackssache sein. Man kann nicht alles haben und das Programm, das die Bedürfnisse aller zufrieden stellen kann, gibt es einfach nicht. Die vier eben aufgeführten Themen sind nur Details im großen Zusammenhang. Bis auf weiteres finde ich, dass FTM 2005 das Programm ist, das am allerbesten meine Forschung und meinen Wunsch unterstützt, die Geschichte eines normalen Lebens von normalen Menschen zu erzählen. Ich bin ein zufriedener Anwender eines wohlfunktionierenden Programms in meiner Sprache.